Industrielle Baustellenorganisation

Ausgangssituation

Das Bauen ist ein komplexer Vorgang, an dem unterschiedliche Gruppen mit den verschiedensten Interessen, Fachdisziplinen und Fähigkeiten beteiligt sind.
 
Die  Baustelle leidet des Öfteren unter einer schlechten Koordinierung der Gewerke. Die Reihenfolge der einzelnen  Tätigkeiten/Handwerker  wird  nicht  abgestimmt,  wodurch  ein  erheblicher  Mehraufwand im Gesamtprozess verursacht wird. Zudem führt eine mangelnde Qualität der vorgelagerten Gewerke zu Nacharbeit und Fehler, das die Einhaltung des Kosten- und Zeitbudgets des Öfteren unmöglich macht. Durch die fehlende Information zum Baufortschritt kann die Schnittstelle zwischen der Produktion und der Baustelle nicht optimal abgestimmt werden. Dies führt zu einer Lagerung von Fertigwaren auf der Baustelle und zu hohen Zwischenbeständen in der Zulieferkette, was indirekt einen negativen Einfluss auf die Betriebskosten hat.

Hier setzt das »Process Efficiency« Team an und beschäftigt sich intensiv mit der Verbesserung der Planung und Steuerung bei der Bauausführung.

Integrierte Ausführungsplanung

Traditionell   wird   die  Zeitplanung  in  der  sogenannten  »Push-Methodik«  durchgeführt.  Dies  bedeutet,  dass   der   Planungsakteur die Dauer für die auszuführenden Tätigkeiten vorgibt. In der sogenannten »integrierten Ausführungsplanung« wird jedoch mittels einer »Pull-Methode« die Reihenfolge und der Arbeitsinhalt von den ausführenden Unternehmen selbst bestimmt. Eine höhere Prozesssicherheit ist somit möglich, da der ausführende Akteur in die Planung involviert wird.
Durch die Einbindung der Zulieferer erster- und zweiter Ebene kann die Schnittstelle zwischen der Produktion und der Baustelle abgestimmt werden. Somit werden Just in Time (JIT) Anlieferungen möglich und verschwenderische Zwischen- bzw. Fertigwarenbestände können minimiert werden.

Schritt 1: Prozessplanung

Aufteilung des Gebäudes in Bauabschnitte

Zunächst wird das Gebäude in Bauabschnitte unterteilt. Der Arbeitsinhalt wird von den am Bau beteiligten Akteuren (Bauteam) abgeschätzt und mittels Post-its werden die aufgenommenen Werte den Bauabschnitten zugeteilt. Das Gebäude wird in Abschnitte mit ähnlichem Arbeitsinhalt unterteilt, um eine höhere Parallelisierung der verschiedenen Arbeitsabläufe zu erreichen und um in den verschiedenen Bereichen einen Kapazitätsausgleich durchführen zu können. Zudem spielt bei der Aufteilung der Aspekt Arbeitssicherheit eine große Rolle.

Erstellung des Bauvorranggraphen

Um die Reihenfolge der Tätigkeiten bzw. der beteiligten Gewerke/Handwerker festzulegen, wird die in der Automobilindustrie weit bekannte Methode des Vorranggraphen verwendet. Standardisierte Abläufe von Tätigkeiten werden identifiziert und als Prozessmuster definiert.

Bauvorranggraph Hotel 3.0

Schritt 2: Pitching

Um alle am Bau beteiligten Akteure zu synchronisieren und einen stetigen Arbeitsfluss zu ermöglichen, wird das in der industriellen Fertigung etablierte »Pitching« Konzept verwendet.

Schritt 3: Erstellung der Bautaktung

Um die Ansätze der Forschung in die Praxis zu bringen wurde vom Fraunhofer IEC ein Werkzeug für die Prozessplanung und -steuerung entwickelt. Die Ablaufplanung erfolgt mit Magnetkarten, die eine dynamische Planung erlauben.

In der Bauausführungsphase wird langfristig eine „Selbststeuerung“ angestrebt, sodass die klassische Bauleiterfunktion zukünftig im Wesentlichen nur noch für das Problemmanagement in Eskalationsfällen benötigt wird.