Im Innovationsverbund »build4future« entwickelt das Innovation Engineering Center (IEC) der Fraunhofer Italia Research KG gemeinsam mit zwölf kleinen und mittleren Unternehmen der Südtiroler Bauwirtschaft Lösungen für ein effizienteres und nachhaltigeres Bauen. Wissenschaftlich begleitet wird das durch die Provinz Bozen-Südtirol geförderte Projekt darüber hinaus durch regionale Forschungspartner wie die Fakultät für Naturwissenschaft und Technik der Freien Universität Bozen, die KlimaHaus Agentur und den TIS Innovation Park. Ein besonderer Fokus liegt bei diesem Projekt auf der Erarbeitung innovativer und zukunftsfähiger Methoden, Tools und Strategien für eine Industrialisierung der handwerklich geprägten Prozessstrukturen im Individualbau (z.B. für Ein- und Mehrfamilienhäuser, Hotel- und Bürogebäude, Kultur- und Sportstätten).

In Südtirol herrschen grundsätzlich sehr gute Voraussetzungen für einen florierenden Bausektor. Einen wichtigen Beitrag dazu leisten das exzellente technische Know-how sowie die hohe Innovationsfähigkeit der vorwiegend kleinen und mittleren Bauunternehmen. Nicht ohne Grund genießt das Bauhandwerk »Made in Südtirol« bereits heute in Italien und europaweit hohes Ansehen und prägt einen hohen Standard für qualitätsvolles und umweltbewusstes Bauen. Jedoch steht die lokale Bauwirtschaft gegenwärtig vor der Aufgabe, ihre Kostennachteile gegenüber (EU-) Konkurrenten, die im Vergleich ein deutlich geringeres Lohnniveau haben, auszugleichen. Da die Unternehmen jedoch nur bedingt Einfluss auf die Personalkosten nehmen können, muss der Weg zum wirtschaftlich-nachhaltigen Bauen über effiziente Prozessstrukturen und technisch-organisatorische Innovationen führen; das gilt sowohl für Bauprozesse als auch für die gesamte Planungs- und Projektabwicklung.

Um sich für die Zukunft zu rüsten und diesen Herausforderungen mit adäquaten Maßnahmen und Strategien zu begegnen, wurde deshalb Anfang 2011 in einem Schulterschluss aus Wirtschaft und Forschung das Verbundprojekt »build4future« ins Leben gerufen. Zu den Partnerunternehmen zählen mit Architekten, Fachplanern, Bauunternehmen sowie produzierenden Unternehmen und Zulieferern Akteure aus allen wesentlichen Bereichen der Bau-Wertschöpfungskette.

Die Synergieeffekte bei einer derartigen Bündelung verschiedener Kompetenzen sind enorm, denn die meisten Marktteilnehmer in der Baubranche operierten bisher noch sehr traditionell und jeder für sich. Bis auf einige Anbieter, die das Gebäude schlüsselfertig und aus einer Hand liefern, sind bislang nur wenige Beispiele für die integrierte Bauweise am Markt zu finden. Dabei führt ein ständiger Planer-, Lieferanten- und Materialwechsel zu sehr komplexen und intransparenten Abläufen. Erworbenes Wissen geht oftmals durch einen nur kurzfristig gesehenen Preisvorteil verloren. Zudem werden wichtige Know-how-Träger wie Fachplaner und Zulieferer erst sehr spät in den Planungsprozess mit eingebunden, wodurch ihr Einfluss auf elementare Qualitätsmerkmale wie die Energieeffizienz oder die Lebenszykluskosten des Gebäudes nur sehr begrenzt sind.

Im ersten von drei Projektschritten von »build4future« wurde bis Ende 2011 in umfassenden Vorstudien zunächst die Ausgangssituation der Partnerunternehmen bezüglich Innovationsfähigkeit, Marktposition sowie allgemeine Strategie ermittelt (Ist-Zustand) und eine gemeinsame Vision.

Im Verlauf der zweiten Projektphase werden konkrete Methoden und Werkzeuge erarbeitet und in den Unternehmen implementiert, die den Übergang vom Ist- zum Soll-Zustand ermöglichen sollen. Einen wichtigen Beitrag leisten hierbei Wissenschaftler des Fraunhofer IAO aus unterschiedlichen Forschungsbereichen wie dem Innovations- und Technologiemanagement, der Produktionsplanung sowie Unternehmensentwicklung und Arbeitsgestaltung. Insbesondere auch der Transfer von Methoden und Know-how aus anderen Branchen verspricht dabei einen großen Mehrwert und Lerneffekt für die Partnerunternehmen.

In einer abschließenden Projektphase sollen schließlich die gemeinsam entwickelten Lösungsansätze auf den Prüfstand gestellt werden: Anhand konkreter Bauprojekte werden die neuen Konzepte in der Praxis getestet und evaluiert.

Partnerunternehmen | Alpi Fenster GmbH, Studio Dr. Arch. Ralf Dejaco, Erlacher Innenausbau KG, Euroclima AG, Eurotherm AG, EXPAN GmbH, Frener & Reifer Metallbau GmbH, Glas Müller Vetri AG, Lanz Metall GmbH, Plattner Bau AG, Rubner Haus AG, Tecno Spot GmbH.